Und die Spirale dreht sich weiter ...


Aus Protest gegen die gestern toedlichen Schuesse
der Polizei in Rangeli (oestlich von Biratnagar),
sind Madhesi dort heute auf die Strasse gegangen.
Rangeli Bazaar, der Platz an dem der taegliche
Markt stattfindet, und die umliegenden Geschaefte
blieben geschlossen. Es gab starke Polizeipraesenz.

Unterdessen hat die Regierung in Kathmandu eine
Untersuchungskommission einberufen, an der die
Madhesi nicht beteiligt sind. Rajkumar Yadav, der
fuer den Distrikt Morang zustaendige Koordinator
der Madhesi lehnt die Kommission ab und zweifelt
daran, dass der Vorfall objektiv untersucht wird,
da die Madhesi von der Kommission ausgeschlossen
wurden.

Rajendra Mahato, der Vorsitzende der maechtigsten
Medhesi Partei, der neulich selber bei Protestaktionen
verletzt wurde, haelt die gestrigen Todesschuesse der
Polizei fuer eine voellig unverhaeltnismaessige Massnahme
waehrend einer friedlichen Demonstration. Man wolle
friedliche Demonstranten zu Gewalthandlungen provozieren.

Fuer ihn ist eine staatliche Abgrenzung
das mindeste, was er erreichen will.

--

Wie das so ist - die Beschuldigungen
werden sich gegenseitig gemacht.

Fraglich ist natuerlich, warum die Jugendorganisation
der Maoisten gerade an einem brisanten Ort, der Rangeli
ohne Zweifel ist, ihre Versammlung abgehielt, die sich
gegen die Forderungen der Madhesi richtete. So etwas
wollten sich de Madhesi nicht gefallen lassen ... und
schon war es passiert - harter Polizeieinsatz mit Toten,
die Trennungsspirale dreht sich weiter.

Man darf nicht vergessen, der
Konflikt laeuft schon seit Jahren!

Die Erdbeben des letzten Jahres und deren Folgen kommen
fuer das Land erschwerend hinzu, der Konflikt selber besteht
jedoch unabhaengig davon. Es handelt sich um zwei grosse
Ereignisse fuer Nepal, die sich sicher auch ueberschneiden
und die Mangelversorgung sehr verstaerken. Die dadurch schlechte Gesamtlage mag den Madhesi in die Haende spielen,
da der Druck auf die Regierung und das Volk um so groesser
ist. Trotzdem besteht kein direkter Zusammenhang zwischen
diesen beiden getrennt voneinander zu betrachtenden Er-
eignissen. Es ist problematisch Dinge miteinander zu ver-
mischen, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben.
Das ist schon alles kompliziert genug, da muss man nicht
noch alles durch den Fleischwolf jagen!

Um die Kompliziertheit des Landes verstehen zu koennen,
muss man trennen und ordnen, trennen und ordnen ...

Auch wenn alles irgendwie zusammenhaengt - es bringt
nichts, Politik, Religion, Ethnizitaet etc., mit Halb-
wissen oder falsch Verstandenem durcheinander zu mischen
und alles miteinander zu verwursten. Darueber koennte man
ja vielleicht einmal nachdenken!

Es bleibt festzustellen, dass sich der Konflikt im
Moment wieder verschaerft - Ende offen!

--

Kann man Nepal derzeit bedenkenlos bereisen?

Ganz bedenkenlos sicher nicht,
aber bei Beachtungder Sicherheitsregeln und
angemessener Umsichtigkeit ist es in vielen
Landesteilen kein Problem.

Wer zur Zeit nicht unbedingt nach Sued-Nepal muss,
sollte die Situation sorgsam beobachten und vielleicht
erst einmal davon absehen, dorthin zu reisen. Bekannte
Brennpunkte sowie Grenznahe Staedte bitte zunaechst
moeglichst meiden!

Wie immer: Menschenmengen, insbesondere Versammlungen politischer Art, sollten nicht aufgesucht werden - die
Gefahr einer rasanten Eskalation ist zu gross!

Sonstige Reisen im Land sind durch eingeschraenkte
Versorgung, Verteuerungen und Einschraenkungen im
Personenverkehr beeintraechtigt, ansonsten bei um-
sichtigem Verhalten relativ problemlos moeglich.

In den klassischen Trekkinggebieten ist, abgesehen
von eventuellen Versorgungsluecken, so gut wie nichts
von dem Konflikt zu spueren.

Die Sicherheitshinweise des Auswaertigen Amtes
sollten stets gelesen und beachtet werden. Wer
das Lend kennt, wird die Hinweise besser einordnen
koennen, als 'Erstreisende'.

--

Mit besten Wuenschen
Andreas

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www.yakyeti.de
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Geschrieben von Andreas Khanal YY am 22. Januar 2016 um 13:12 Uhr.

Antwort zu: Auch heute leider kein guter Tag fuer Nepal ... geschrieben von Andreas Khanal am 21. Januar 2016 um 21:33 Uhr.


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