Re: Hier ein guter Artikel zur derzeitigen Lage in Nepal

Ich moechte gerne aus meinen aktuellen Erfahrungen (halte mich seit Anfang November im Lande auf) ein wenig ueber die Situation in Nepal berichten und zwar gerade, um Leuten, die vorhaben in naechster Zeit einzureisen, Befuerchtungen zu nehmen, gleichzeitig aber auch um auf gewisse besondere, aber gut zu ertragende, Umstaende hinzuweisen.


Was die Reisemoeglichkeiten im Land betrifft:

Inlandsflugverbindungen funktionieren wohl, wie ich zumindest ueber einen Europaeer erfahren habe, der kuerzlich die Flugverbindung zwischen Kathmandu und Nepalgunj genutzt hatte.

Mit Bussen bin ich bislang vorangekommen, wenn auch mit leichten Einschraenkungen und das sogar auf den Verbindungen Ktm-Surkhet und von dort zurueck nach Pokhara, obwohl Surkhet grundsaetzlich eher schwieriger erreichbar ist (auch unter herkoemmlichen Umstaenden) als uebliche Touristenziele.
Lediglich die Hinfahrt musste ich einen Tag spaeter antreten als geplant, da der Busverkehr angesichts der Benzinknappheit nicht immer ganz planmaessig abgewickelt werden kann; man ist jedoch sehr bemueht, einen bestmoeglichen Service anzubieten. Es war speziell auf diesen beiden Routen nur kurzfristig -also fruehestens am Tag vor Reiseantritt oder sogar taggleich moeglich, eine verbindliche Auskunft ueber Busverbindungen zu erhalten, da einfach auch fuer die Anbieter die Situation (Benzinversorgung) nicht langfristig kalkulierbar ist. Auch koennen nicht alle Fahrten nach Fahrplan angeboten werden, sondern nur einzelne. Dadurch kann es unter Umstaenden dazu kommen, dass anstelle von Direktverbindungen Umsteigeverbindungen genutzt werden muessen. Zudem kann es waehrend der Fahrten passieren, dass Benzin mitten auf der Strecke ausgeht und dieses dann vom Buspersonal mittels Reservekanistern -zu Fuss- besorgt werden muss, wodurch es zu Abweichungen im Fahrplanablauf kommt. Hier ist ein wenig Geduld und Durchhaltevermoegen gefragt. Jedoch sind die Menschen in Nepal derartige Meister im Bewaeltigen solcher Schwierigkeiten, dass man als Fahrgast hier sehr zuversichtlich sein kann- es geht immer irgendwie weiter, wenn auch mit beispielsweise bis zu 3 Stunden Verspaetung (was jedoch auf einer Reise mit einer regulaeren Fahrtzeit von ohnehin 17 Stunden, nicht so enorm ins Gewicht faellt!).

Dies nun zu meinen Erfahrungen mit einer touristisch eher wenig genutzten Verbindung. Darueber wie der Verkehr auf Haupttouristenrouten abgewickelt wird kann ich momentan noch nichts sagen.

Taxifahrten sind zur Zeit aufgrund hoeherer Benzinpreise teurer als sonst -im Vergleich zu europaeischen Verhaeltnissen jedoch immer noch recht guenstig. Ich empfehle allerdings, den Fahrpreis bereits vor Antritt der Fahrt verbindlich auszuhandeln!


Zur derzeitigen Lage in Pokhara:

Ich bin zum wiederholten Male in dieser Stadt und erschrecke angesichts dessen, wie ruhig es hier momentan zugeht!

Kaum Verkehr auf den Strassen – vergleichsweise sehr wenige Touristen in der Stadt- die Restaurants fast leer, mehr einheimische als auslaendische Gaeste! Die Lage ist regelrecht gespenstisch!

Zwar ist diese Ruhe natuerlich einerseits angenehm, insbesondere gelangt man als Fussgaenger spielend ueber die, sonst stark befahrenen, Strassen, die Luft ist weniger verpestet als sonst. Aber: die Einheimischen, vom Tourismusgewerbe stark abhaengigen Personen in Gastronomiebetrieben, sowie die Geschaeftsinhaber sind von grossem Leid gezeichnet. Verunsicherung, regelrechte Verzweiflung, Aengste sind spuerbar. Viele Gewerbetreibende ringen regelrecht um Kunden/ Gaeste.

Dazu kommen fuer die Einheimischen noch weitere Einschraenkungen. Beispielsweise herrscht eine aussergewoehnliche Knappheit an Elektrizitaet. Zudem ist Kochgas kaum noch bezahlbar, so dass in Haushalten auf einer Feuerstelle im Hof/ vor dem Haus gekocht wird. In Restaurants entschuldigt man sich bei Gaesten fuer vergleichsweise laengere Wartezeiten, die entstehen, weil die Mahlzeiten mit Feuerholz zubereitet werden.
Hier sieht man sehr deutlich, wie enorm wichtig es waere, in Nepal verstaerkt in alternative/ erneuerbare Energien zu investieren! Waehrend eines 3-woechigen Bauernhofaufenthaltes in Surkhet konnte ich beispielsweise ein sehr positives Beispiel fuer Energiegewinnung miterleben. Dort war man aeusserst stolz darauf, Kochgas aus Tierexkrementen mithilfe einer Biogasanlage herstellen zu koennen und nicht -wie in der Stadt- auf Propangas angewiesen zu sein. Ich wundere mich darueber, dass man sich in Nepal so sehr von Produkten abhaengig macht, die aus dem Ausland angeliefert werden muessen, statt regenerative Energien selbst herzustellen. Oder dass man sich von mangelhafter inlaendischer Stromproduktion abhaengig macht, statt verstaerkt Solarenergie zu nutzen. Und dies obwohl hier noch nicht einmal grosse buerokratische Huerden bestehen. Das Problem duerfte wohl eher an der Finanzierbarkeit -gerade fuer Privathaushalte- liegen oder daran, dass man sich zu sehr auf das Herkoemmliche/ Gewohnte fixiert. Hier besteht schon grosser Handlungsbedarf und auch Potential! Ich kann nur hoffen, dass die aktuelle Krise zu einem gewissen Umdenken fuehrt und Leute auch den Mut aufbraechten, sich neuen technischen Herausforderungen zu stellen. Dass zudem auch Privatpersonen oder kleinen Gewerbebetrieben die Moeglichkeit eroeffnet werden koennte, an technischen Veraenderungen teilzuhaben! So koennte naemlich die momentane Krise auch nachhaltig positive Veraenderungen nach sich ziehen und Nepal groessere Unabhaengigkeit verleihen!


Um nun aber noch einmal auf die Situation fuer Touristen zurueckzukommen:

ich wuerde gerne an Leute, die sich dazu entschliessen, in naechster Zeit nach Nepal einzureisen appellieren: stellt Euch den Gegebenheiten, die jetzt gerade herrschen mit Offenheit und Toleranz! Neue Erfahrungen, die sich aus den derzeitigen Zustaenden ergeben, koennen eine Bereicherung sein und nicht nur belastende Einschraenkungen darstellen! Zeigt vor allem Verstaendnis fuer die Menschen hier vor Ort, die ihr Aeusserstes geben, um Euren Beduerfnissen gerecht zu werden! Beschwert Euch nicht ueber moegliche Einschraenkungen im Komfort oder Unregelmaessigkeiten! Sondern nehmt zur Kenntnis, was man hier -unter schwierigen Bedingungen- fuer Euch leistet! Das haben die Menschen hier wirklich verdient, die ihrerseits viel ertragen muessen und leiden und die nicht einfach irgendwohin abreisen koennen!

Geschrieben von Sabine am 08. Dezember 2015 um 01:56 Uhr.

Antwort zu: Re: Hier ein guter Artikel zur derzeitigen Lage in Nepal geschrieben von Harry am 03. Dezember 2015 um 11:19 Uhr.


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