Derzeitige Lage in Nepal / Persoenliche Anmerkungen


Liebe Leute,

der Hinweis, den Klaus gestern hier gegeben hat, scheint
sich zu bestaetigen. Die Lage in Nepal ist nach heutigen
Nachrichtenmeldungen nicht gut. Siehe auch:

http://www.rp-online.de/politik/ausland/die-lage-in-nepal-wird-dramatisch-aid-1.5452304

Vielleicht kann vor Ort der eine oder andere fuer die
bessere Einschaetzung der Situation kurz mitteilen, wie
sich die Situation fuer Reisende darstellt. Welche Probleme
gibt es im Einzelnen? Danke!

---

Persoenliche Anmerkungen:

Der Nepal-Besuch von Premierminister Modi im vergangenen Jahr,
bei dem er bei vielen Nepalis sehr gut ankam (viele schwaermten
von ihm), war mir alles andere als geheuer. Er wirkte auf mich
gegenueber Nepal wie ein Wolf im Schafspelz.

Dass Indien einen grossen Anteil an dieser Krise traegt,
scheint mir sehr plausibel. Die Madeshi sind ja seit
Generationen Einwanderer aus Indien. Sie leben und
arbeiten in Nepal, gehoeren jedoch nicht zu den
urspruenglich ansaessigen Bevoelkerungsgruppen Nepals.
Ihr Status ist seit jeher schwierig und sie wurden
in Nepal nie gut behandelt. Es wurden ihnen in den
letzten Jahren einige Rechte zugestanden, jedoch
reicht ihnen das nicht.

Es ist von aussen schwierig zu beurteilen, welches
Mass an Rechten fuer sie angemessen ist. Die Nepalischen
Volksgruppen moechten eine Unterwanderung bzw. zu
grosse Autonomie oder gar eine Eigenstaatlichkeit
von ihnen verhindern. Suednepal ist als Lebensader
zu wichtig, als dass sie diesen Landesteil den Madeshi
ueberlassen koennten, zumal der uebermaechtige Nachbar
Indien da mit dranhaengt.

Dass sich Nepal in der neuen Verfassung zum saekularen
Staat erklaert, d.h., Staat und Religion voneinander
getrennt hat, ist sicher ein guter und richtiger Weg.
Staat und Religion gehoeren getrennt - eine Vermischung
ist, und da gibt es viele Beispiele, nicht gut.

Da der indische Premierminister Modi eine radikal-
hinduistischen Partei angehoert, war zu erwarten,
dass dies irgendwann gegenueber Nepal einmal zum
Vorschein kommen wird. Ob die Nepali noch immer
so begeistert von ihm sind? Ich habe da meine
Zweifel.

Der Konflikt koennte nun deutlich an Fahrt aufnehmen.

Nepal hat die letzten Monate zwar verhaeltnismaessig
gut gemeistert, jedoch ist das Land grundsaetzlich
durch die starken Erdbeben in seiner Gesamtlage hart
getroffen.

Nun ist die Monsunzeit gerade vorbei und der Tourismus
koennte dem Land in seiner gerade gestarteten Hauptsaison
helfen, besser auf die Beine zu kommen. Und nun, der
hochkochende Konflikt. Nahezu 50 Tote in Suednepal in
den vergangenen Wochen. Die Blockadesituation, die
quasi Oel ins Feuer giesst. Die Lage kann sich in der
Tat weiter dramatisch zuspitzen. Es koennte sogar zu
Pogromen gegenueber den Madeshi kommen. Umgekehrt ist
ebenfalls mit hoher Gewaltbereitschaft zu rechnen.

Ab letzten Sonntag sah es fuer einen Moment aus, als
ob die Vernunft eingekehrt ist. Das sieht im Moment
leider anders aus.

Reisende sollten sich vor Ort gut informieren und
Suednepal fuer den Augenblick moeglichst meiden. Auch
die Tharus sind in dem Konflikt verwoben. Die Tharus
bilden einen Grossteil der Bevoelkerung in Chitwan. Auch
da kann es zu gewaltsamen Entladungen kommen - zumindest
hier und da lokal. In jedem Fall ist Vorsicht ist angesagt!

Mit besten Wuenschen
Andreas

Geschrieben von Andreas Khanal am 07. Oktober 2015 um 10:43 Uhr.


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