Schwere Zeiten in Nepal ...


Liebe Nepalfreunde,

wir alle hier im Board sind in irgendeiner Weise an
Nepal interessiert und haben mehr oder weniger mit
dem Land und seinen Menschen zu tun.

Was kann man derzeit von der Situation halten?
Da hat jeder seine eigene Einschaetzung und Meinung dazu.

--

Das Erdbeben am 25. April mit seinen Nachbeben hatte bereits
gravierende Auswirkungen fuer das Land. Es gab zahlreiche
Todesopfer und Verletzte. Auch wenn alles noch viel schlimmer
haette kommen koennen, so ist bereits dieses 'erste' Beben in
seinen Folgewirkungen ein tiefer Einschnitt fuer das Land.

Das gestrige Beben war in seiner Staerke zwar nur etwa ein
Fuenftel von der Staerke des ersten Bebens und es ist, soweit
man das im Moment einschaetzen kann, entsprechend geringer
in seinen Folgen, jedoch hat dieses Beben den bereits
bestehenden Einschnitt sehr deutlich weiter vertieft.

Ich hatte gestern und heute eine ganze Reihe von Kontakten
mit Leuten aus verschiedenen Landesteilen. Es zieht sich
wie ein roter Faden - allen Leuten, mit denen ich gesprochen
habe, war in ihren Stimmen tief sitzende Angst heraus-
zuhoeren.

Das zweite Beben ist vielen Menschen schwer auf die Psyche
geschlagen und hat sie noch viel mehr verunsichert, als
es ohnehin schon der Fall war.

Und im Moment ist es schwierig einzuschaetzen, ob der Boden
mit der Zeit langsam Ruhe gibt oder ob bereits eine Art
Kettenreaktion ausgeloest wurde, die sich moeglicherweise
zeitnah fortsetzt. Die Experten scheinen da unterschiedlicher
Meinung zu sein.

Die Landesteile ab Pokhara Richtung Westen sind bisher eher
kaum betroffen. Keiner weiss jedoch, ob es dabei bleiben wird.
Die Situation insgesamt ist einfach ungewiss.

Wer in den naechsten Wochen beabsichtigt, nach Nepal zu reisen,
und keine sehr wichtigen Gruende dafuer hat, dem wuerde ich erst
einmal davon abraten.

Die Region ist insgesamt fragil und die Monsunzeit wird dies
noch verstaerken. Die Erdrutschgefahr steigt weiter, da die
Boeden im Verlauf der naechsten Wochen mehr und mehr durchnaesst
werden. Auch Gebiete, die bisher nicht oder nur wenig betroffen
sind, koennen ploetzlich zu Gefahrenzonen werden. Abgesehen von
dem Schmerz, dem man jetzt in vielen Landesteilen begegnet,
und der Gesamtsituation die sicher tief beruehrt, kann man
Trekking oder dergleichen erst einmal komplett vergessen.
Ich habe auch meine Zweifel, ob das in diesem Jahr noch
zu empfehlen sein wird oder ueberhaupt angebracht ist.

Man muss zunaechst abwarten und die Situation beobachten.
Wer durch Stornierung Geld verliert, der verliert eben Geld
aber nicht sein Leben. Geldwerte sind angesichts der derzeitigen
Lage zweitrangig.

Jeder erwachsene Mensch kann selber abwaegen. Kinder, Jugendliche
oder junge Erwachsene sind meistens abhaengig von den Entschei-
dungen ihrer Eltern oder Erziehungsberechtigten. Das Augenmerk
auf die Gefahrenlage sollte in solchen Konstellationen besonders
gross sein. Junge Leute, die beispielsweise nach dem Abi nach
Nepal reisen moechten, um dort in einem Workcamp zu arbeiten
oder eine Art Praktikum durchfuehren wollen oder Studenten, die
ein Auslandssemester planen, sollten Nepal erst einmal von
ihrer Wunschliste streichen.

Erwachsene, die bereits ueber Lebens- und Reiseerfahrung verfuegen
und sich fuer geeignet oder beruflich praedestiniert halten, im
Land irgendwie zu helfen, sollten sich gut ueber die Situation
informieren und erst dann sorgfaeltig abwaegen, ob fuer sie eine
Reise nach Nepal derzeit in Betracht gezogen werden kann oder
nicht.

Nepal braucht mit der Zeit wieder Touristen und sonstige
Reisende, um wieder auf die Beine zu kommen, im Moment
steht dies aber nicht an erster Stelle.

Die unruhige Zeit muss erst einmal durchgestanden werden.
Es geht zunaechst fuer viele ums Ueberleben und darum, durch
die Monsunzeit zu kommen. Es muessen Notbehausungen entstehen,
die Versorgungslage gesichert und medizinische Massnahmen
ergriffen werden, dann muessen Freiraeumungs- und Wiederaufbau-
arbeiten durchgefuehrt werden. Es muss auch ein Stueck Alltags-
Normalitaet entstehen, Kinder zur Schule gehen etc.

Die Menschen waren bereits auf diesem Weg, das gestrige
Erdbeben war jedoch ein herber Rueckschlag, der verarbeitet
werden muss.

Nepal wird diese Krise bewaeltigen, aber im Augenblick steht
das Land noch mitten drin, das hat das gestrige Erdbeben
gezeigt. Von Aussen kann man momentan nur so helfen, an die
richtigen Stellen zu spenden oder gegebenenfalls selber
durch einzelne Aktionen aktiv zu werden. E-Mail Kontakte
zu pflegen, sich an Sozialen Netzwerken zu beteiligen,
Telefonate zu fuehren oder zu simsen etc., sind natuerlich
auch wichtige Moeglichkeiten, um die Menschen moralisch zu
unterstuetzen. Auch gute Gedanken oder Gebete sind hilfreich.
Jeder, der etwas positives fuer die Menschen tun moechte,
findet auch einen Weg dafuer. Man muss es nur wollen und
kann es dann ganz einfach machen. Es muss nicht kompliziert
oder besonders aufwendig sein.

Ich wuensche allen einen
schoenen Feiertag!

Mit herzlichem Gruss
Andreas


Geschrieben von Andreas Khanal am 13. Mai 2015 um 21:03 Uhr.


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