Der gestrige Nepal Tag in Koeln

Ein kurzer Bericht mit
persoenlichen Anmerkungen


Liebe Nepalfreunde,

der gestrige Nepal Tag stand natuerlich unter dem starken
Eindruck des Erdbebens und seiner Folgewirkungen.
Traurigkeit und Bedruecktheit war bei vielen Tagungs-
teilnehmern, insbesondere bei Nepalis, stets praesent.

Die DNG hatte in einer Meisterleistung innerhalb von einer
Woche sein Programm kurzfristig umgestellt und einen Teil
der Vortraege und Referenten auf die aktuellen Ereignisse
angepasst. Es waren Top Referenten dabei, die detailliert
die Zusammenhaenge erklaerten und Einschaetzungen zum Ausmass
und den Folgen abgaben. Das war alles auf sehr hohem Niveau.
Sehr interessant!

Viele Punkte waren bedrueckend, aber
auch Positives wurde berichtet.

Ich kann nur ein paar Punkte, die mir wichtig erscheinen
umreissen. Zu Detailreich, zu fachlich anspruchsvoll war
die Tagung, um sie in ein paar Zeilen packen zu koennen.

Hoechst dramatisch (!): Geschaetzte 2,8 Millionen Menschen
wurden durch das Beben obdachlos - der groesste Teil in
laendlichen Regionen. Es bleibt weiter schwierig, die Hilfe
dahin zu bringen, wo sie benoetigt wird. Ein grosses logistisches
Problem bei dem Umfang der benoetigten Hilfe und unter
Beruecksichtigung der oft schweren Zugangsmoeglichkeiten.

Das Beben in Nepal hatte ca. die 10-fache Staerke, wie
das Beben 2013 auf Tahiti, bei dem mindestens 220.000
Menschen ums Leben kamen (die Schaetzung geht sogar bis
500.000 Todesopfer). Die Opferzahlen in Nepal steigen
zwar auch permanent, dennoch ist das Ausmass wahrscheinlich
nicht in diesem Groessenverhaeltnis. In Kathmandu sind fast
90% der Haeuser und Gebaeude trotz bedenklicher Bauweisen
stehen geblieben. Der Schaden ist immens, haette aber noch
viel groesser sein koennen. In manchen laendlichen Gegenden
hingegen sind wahrscheinlich mehr als 90% zerstoert. D.h.,
das Verhaeltnis der Zerstoerung kehrt sich geradezu um.
Im mittleren und fernen Westen und z.B. in Pokhara sind
die Schaeden und Opferzahlen erstaunlich niedrig. Das
Epizentrum liegt ja bei Gorkha in 11 Kilometer Tiefe.
Pokhara liegt naeher daran als Kathmandu, aber die Spannungs-
Wirkung hat sich in oestliche Richtung ausgebreitet, wodurch
Pokhara relativ verschont wurde.

Im Gegensatz zu Tahiti ist die Bevoelkerung in Nepal, zumindest
dort, wo man es beobachten kann, sehr viel aktiver beim Auf-
raeumen und Beheben von Schaeden. Es ist im Vergleich mit einer
verhaeltnismaessig schnellen Verbesserung der Situation zu rechnen.
Die Bevoelkerung hilft sich sehr viel gegenseitig und teilt
miteinander, was auf Tahiti scheinbar anders ist.
Natuerlich gibt es viele Langzeitschaeden, die Nepalis sind aber
bereits sehr Krisenerprobt und verfuegen ueber eine hohe Leiden-
faehigkeit. Das ist einerseits traurig und schlimm, andererseits
hilft es, schneller aus dieser grossen Krise herauszukommen. Eine
wesentliche Grundvoraussetzung ist allerdings, dass genuegend
Hilfe und Unterstuetzung aus dem Ausland kommt. Sehr Vieles wird
benoetigt, damit diese Mammutaufgabe bewaeltigt werden kann!

Die Nachbeben werden hinsichtlich der Magnitude weiter abnehmen,
koennen aber noch bis zu ca. 6 Monate nach dem Hauptbeben auf-
treten.

Durch das Beben wurden Spannungen abgebaut. Von nun an bauen
sie sich aber langfristig wieder auf. Es wird von Experten ein
noch sehr viel staerkeres Beben in der Himalayaregion erwartet.
Das wird aber eher 3 bis 5 Generationen dauern, bis es dazu
kommt. Kein wirklicher Trost, aber den Einschaetzungen nach ein
doch laengerer Zeitraum, bis es dazu kommt.

Der diesjaehrige Nepal Tag war gepraegt von Sorge und Traurigkeit,
aber auch vom sehr ernsthaften und - wie ich meine - erfolg-
reichen Versuch, zu einer sehr sachlichen Bestandsaufnehme und
Einschaetzung des Gesamtereignisses. Grosse Anteilnahme und
Solidaritaet waren permanent spuerbar. Eine Gedenkminute wurde
selbstverstaendlich Durchgefuehrt. Neben grosser Ernsthaftigkeit,
Trauer und Schmerz waren viele Nepalis dennoch dazu in der
Lage - jedenfalls momentweise - ihr freundliches Laecheln nicht
zu verlieren. Ich denke, solange sie sich dies erhalten, ist
Nepal und seine Menschen trotz aller Problematik nicht verloren.

Es waere schoen, wenn jeder der dieses Land mag, auf seine
ganz eigene, individuelle Weise hilft und das Positive,
was in den Menschen steckt, unterstuetzt. Trauer und
aufmerksame Wahrnehmung der Situation muessen sein, um
aber wieder die Dinge in Gang zu bringen muss der Blick
stets nach Vorne gerichtet werden.

Ich wuensche Nepal und seinen Menschen,
dass Sie Trost finden und ueber genuegend
Mut und Kraft verfuegen werden, sich ein
neues Leben und eine neue Existenz auf-
zubauen. Nepalis sind allgemein sehr
Heimatverbunden und lieben ihr Land in
einem ganz Hohen Mass. Das werden viele
von euch bestaetigen koennen.

Mit besten Wuenschen
Andreas

Geschrieben von Andreas Khanal am 03. Mai 2015 um 19:02 Uhr.


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