Das grosse Erdbeben

Das grosse Erdbeben in Nepal
Stand 30.4.2015
Heute war der erste Tag wo der Spiegel und die Zeit keinen Artikel zu Nepal gebracht haben. So langsam ebbt anscheinend die Aufmerksamkeitskurve ab und es gibt auch nicht mehr so viel spektakulaeres zu berichten. Mittlerweile kennt jeder die Bilder von zerstoerten Tempeln und Haeusern. ich habe mir sehr intensive die zugaenglichen Luftbilder angesehen und gluecklicherweise stehen noch sehr viele Haeuser auch wenn davon einige wahrscheinlich nicht mehr bewohnbar sind. Auf ganzen Stadtvierteln konnte ich keine zusammengestuerzten Haeuser sehen
Was leider viel zu wenig erzaehlt wurde, ist das schon seit drei Tagen die Armee mit Hubschraubern hunderte Verletzte aus den zerstoerten Doerfern in Krankenhaeuser geflogen hat. Das war das dringendste und hat mit Sicherheit viele Menschenleben gerettet. Auch viele Touristen wurden mittlerweile evakuiert.
Aus den Truemmern im Kathmandutal werden erwartungsgemaess nur noch Leichen geborgen und noch immer sind viele zerstoerte Doerfer nicht erreicht worden. Die Zahl von 10.000 Toten fuer Nepal duerfte deshalb durchaus realistisch bleiben.

Waere das Beben nur etwas staerker gewesen, haetten die Auswirkungen viel schlimmer sein koennen. Denn so sind die meisten neueren Haeuser gluecklicherweise stehen geblieben und die Strassen und der Flugplatz sind weitgehend benutzbar geblieben. Da trotzdem auch schon einige moderne Gebaeude zusammengefallen sind, zeigt nur, dass es wesentlich schlimmer haette kommen ( Wei in Istanbul wo sehr viele Hochhaeuser aehnlicher Bauartwie Kartenhaeuser zusammengestuerzt sind). es gab durchaus realistische Szenarien wo bis zu 300.000 Tote erwartet wurden. und wie haette es ausgesehen, wenn die Landebahn vom Flughafen weggerutscht gewesen waere und die Hauptstrasse nach Indien nicht innerhalb von zwei Tagen benutzbar gewesen waere?

Mittlerweile hat sich der Ueberlandsverkehr wesentlich verbessert. Die lebenswichtige Strasse Prithvi Highway, der Kathmandu mit dem Westen und Indien verbindet ist wenig beschaedigt und befahrbar.

Da viele Einwohner, die ja ueberwiegend erst in den letzten 25 Jahre zugezogen waren, erstmal in ihre Heimatorte fahren wollen, um zu sehen ob sie ihrer Familie, Verwandtschaft und Freunden helfen koennen (und ueberwiegend nicht wie es in den Nachrichten immer wieder heisst aus Angst vor Unruhen, Nahrungsmange, Seuchen usw.) ist die Transportkapazitaet aber deutlich zu gering. mit privaten Schulbussen werden jetzt kostenlos tausend Personen

In Kathmandu beginnen die Leute mit den Aufraeumarbeiten und man sieht, wie Freiwillige saeuberlich die Balken und Steine der zusammengefallen Tempel stapeln so dass die wieder fuer den Wiederaufbau verwendet werden koennen. Schon nach dem Erdbeben von 1943 waren viele der Tempel nur noch vergleichbare Truemmerhaufen. Sie wurden dann mit dem gleichen Lehmmoertel wieder aufgebaut, der leider nicht Erbebenfest ist so dass sie wieder zusammengestuerzt sind. Der Vorteil ist, dass man aber die ganzen Ziegelsteine, Steinfiguren und geschnitzten Holzbalken wieder verwenden kann. Die Gebaeude sind einfach zerbroeselt und in sich gesackt. Beim Weideraufbau wird man jetzt sicher auf staerkeren Moertel eine hoehere Erdbebensicherheit achten.

Auf dem Land.
Da Leid war unermesslich. In vielen Doerfern sind ist die Mehrzahl der Haeuser und die Zugangswege sind oft unpassierbar. Deshalb koennen Verletzt auch nur per Helikopter zu einem Krankenhaus gebracht werden. Mittlerweile werden auch Nahrungsmittelpakete abgeworfen. Denn erst rettet man die Verwundeten und erst dann kommt die Nahrungsversorgung, Ein Verwundeter kann schnell sterben aber keiner verhungert in ein paar Tagen.
Wenn man die Bilder der zerstoerten Haeuser betrachtet, sehen sie oft schrecklich aus. Die Haeuser sind fast alle ebenfalls mit Lehmmoertel gebaut, der keine Erdbebenfestigkeit hat. Oft waren die Daecher mit schoenen, aber leider auch sehr schweren Steintafeln gedeckt. So sind sie einfach zusammengestuerzt. Sofern die Leute allerdings nicht schwer verletzt wurden, koennen sei aus den Ueberesten selber recht schnell ein kleines regendichtes Nothaeuschen bauen. Den die Holzbalken scheinen auf den meisten Bildern ganz geblieben zu sein und wer ein Wellblechdach hatte kann es geradedengeln und erstmal einfach wiederverwenden. Wir muessen und klar werden, dass nepalische Doerfer seit Jahrhunderten weitgehenst autark sind und sie ihre Haeuser provisorisch ohne irgendeine Fremdhilfe oder Fremdmaterial provisorisch wiederaufbauen koennen. Mittel- und langfristig werden sie dann stabilere Haeuser mit Zement bauen wollen.

Trekkinggebiete:
Manche Trekkinggebiete sind wenig betroffen. Das gilt fuer das Annapurnagebiet (besonders fuer den Bereich suedlich der Annapurna wie z.B. der Ghorepani trek)
Stark betroffen ist Langtang und wahrscheinlich die Manaslurunde und Tsum Valley. Hier erwarte ich nicht, dass es ein schneller Wiederaufbau geben kann.
Im Everest Gebiet hat es viele Zerstoerungen gegeben. Hier sind allerdings die Geldreserven der doch recht wohlhabenden Lodgebesitzer recht hoch, so dass ich mit einem sehr schnellen Wiederaufbau rechne.
Ich bin ueberzeugt dass bis zur Trekkingsaison im Oktober sowohl das Annapurna- wie das Everest Gebiet wieder ohne wesentliche Probleme bewandert werden koennen. Das Angebot an Lodgen und der anzutreffende Komfort werden evtl etwas geringer sein. Dafuer duerfte es aber weniger ueberlaufen sein.
Wie kann man Nepal unterstuetzen.
Zurzeit gibt es viel Spendenaufrufe von vielen sehr engagierten Vereinen. Helfen sie, wo sie koennen und suchen sie Projekte aus, die sie auch langfristig gerne unterstuetzen wollen.
Der Tourismus ist fuer viele Nepalis ihr wesentliches Einkommen und traegt fasst 10% zum Brutto Inlands Produkt ein. Es steht damit direkt hinter den Geldueberweisungen, der Nepalis die im Ausland arbeiten. Sein zu erwartender Rueckgang wird das Land zusaetzlich schwer treffen. Und nicht nur das Land, gerade viele Guide, Traeger und kleine Lodge- und Hotelbesitzer sind direkt davon abhaengig. Es ist daher eine wesentlich Hilfe, wenn sie eine geplante Nepalreise nicht aufgrund der aktuellen Lage stornieren. Spaetestens im Herbst duerfte es wieder ein positiver und unvergleichlicher Urlaub werden.

Nepal ist stark und wird viele schneller als von vielen gedacht wieder aufleben.

Geschrieben von Andrees am 30. April 2015 um 13:36 Uhr.


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