Kurioser Fall in Kathmandu


Liebe Nepalfreunde,

wie wir ja alle wissen, ist Nepal ein Land, das
nicht unerhebliche Probleme mit der Korruption hat.

Nun gibt es jedoch im Moment in Kathmandu einen Fall,
der wirklich kurios ist. Die Geschichte ist kaum zu
glauben:

Am Dienstag (17.03.) wurde der Praesident des Bundesverbandes
der nepalesischen Industrie und Handelskammer (FNCCI) Pradeep
Jung Pandey von der Polizei festgenommen.

Warum dies?

Er war im Jahr 1982 - das ist 33 Jahre her - als junger
Mann bei der staatlichen Wasserversorgungsgesellschaft als
Buchhalter angestellt. Offenbar war er in Unregelmaessigkeiten
verwickelt. Es kam zum Korruptionsvorwurf und die Sache
ging vor Gericht. Er wurde zu einer Geldstrafe von 5000 Nepal
Rupien (nach heutigem Stand umgerechnet nicht ganz 50 Euro)
und einer stattlichen Haftstrafe von 3 Jahren verurteilt.
Die Geldstrafe hatte er bezahlt, seine Haftstrafe hatte er
angetreten, er wurde allerdings vorzeitig entlassen. Wie er
heute sagt, gab es fuer ihn eine koenigliche Amnestie (was
durchaus sein kann!). Genau klaeren laesst sich das heute nicht
mehr. Damals gab es ja keine computergestuetzte Erfassung -
und wo heute noch ein moeglicher Aktenvorgang dazu zu finden
ist, duerfte sehr fraglich sein.

Jedenfalls sind von seiner Haftstrafe noch ein Jahr,
9 Monate und 27 Tage offen geblieben.

Nun ist im vergangenen Jahr die Gerichtsbarkeit auf den
damaligen Fall aufmerksam geworden. Die Sache wurde
geprueft und dann offensichtlich wieder beiseitegelegt,
nachdem er begruendet hatte, unter die Amnestie gekommen
zu sein. Er entschuldigte sich auch oeffentlich fuer das
damals begangene Vergehen. Jetzt aber wurde ein in diesem
Zusammenhang gefasster Gerichtsbeschluss von letztem Jahr
aufgehoben und am Dienstag wurde er zu Hause festgenommen
und im Blick der Oeffentlichkeit ins Gefaengnis gebracht. Er
erlitt Herzbeschwerden, woraufhin man ihn ins Krankenhaus
verlegte. Es geht ihm wieder etwas besser aber nun ist
abzuwarten, wie es weiter geht. Das Gericht hat bereits
angekuendigt, ihn direkt ins Gefaengnis zu schicken, sobald
seine Gesundheit es zulaesst.

Erstaunlich an dieser Sache ist, dass Nepal vor Korruption
eigentlich nur so strotzt, aber gerade dieser Fall nach
ueber Jahren ausgegraben und zum Vollzug gebracht wird.

Scheinbar gibt es keine Verjaehrung!

Auch wenn ihn irgendjemand angeschwaerzt haben sollte - es
ist bemerkenswert, dass die Justiz nach so vielen Jahren
so hart zugreift. Und aerztliche Schweigepflicht gibt es
scheinbar nicht, denn seine gesundheitlichen Probleme,
die er derzeit hat, wurden in Einzelheiten veroeffentlicht.

Vielleicht wollte die Justiz an diesem Beispiel oeffentlich
dokumentieren, dass selbst Leute, die es in eine hohe Position
geschafft haben, fuer Korruption nach vielen Jahren noch
juristisch belangt werden.

Wuerden sie alle Faelle so ahnden, braeuchten sie
sicherlich weitaus groessere Gefaengnisse in Nepal.
Koenig Gyanendra und einige mehr koennten sich auf
etwas gefasst machen.

Gar nicht daran zu denken, dass Nepal seine juengste
Geschichte noch nicht annaehernd aufgearbeitet hat und
schwerste Menschenrechteverletzungen und Kriegsverbrechen
bisher mit 'Null' geahndet wurden.

Es ist grundsaetzlich in vielerlei Hinsicht sehr fraglich,
ob Nepal wirklich auf dem richtigen Weg ist, das richtige
Mass fuer die Dinge zu finden.

Nepal - immer wieder
ein Land der Extreme!

Mit besten Wuenschen
Andreas




Geschrieben von Andreas Khanal am 19. März 2015 um 16:39 Uhr.


antworten    zurück zum Board




Antwort:

Name:  
E-Mail:

Überschrift:

Nachricht (min. 75 Zeichen):