Nach all dem Aerger im Parlament ...


... ist unter den Parteien in Nepal scheinbar ein wenig
Ruhe eingekehrt. Der Vorsitzende der Verfassungsgebenden
Versammlung, Subas Chandra Nembang, hat die naechste Parlamentssitzung fuer einige Tage ausgesetzt, damit die
Emotionen wieder ein wenig nach unten gehen und die
Parteien sich beraten koennen.

Nepal ist ja - abgesehen von spektakulaeren Berg- und
Kulturthemen oder irgendwelchen Ungluecken - eher selten
in den europaeischen Medien vertreten, die Bilder der
Parlamentskeilerei, Dienstag Nacht, gingen allerdings
um die ganze Welt. Das war eine Art Weckruf fuer die
Medien. Was soll man zu den Ereignissen sagen, es bleibt
eigentlich nur Kopfschuetteln und Ratlosigkeit, ob die
ihren Friedensprozess wirklich gebacken bekommen.

Der nepalische Aussenminister, Mahendra Bandey, hat
jedenfalls vorsorglich das diplomatische Chor mit
sanftem Druck darum gebeten, sich mit Kommentaren
und Ratschlaegen zurueckzuhalten. Die Diplomatie sei
ja ein sensibles Feld und die inneren Angelegenheiten
Nepals sollten moeglichst innere Angelegenheiten bleiben.

Undiplomatisch uebersetzt koennte man vermuten,
dass er sagen wollte "Haltet bloss die Klappe,
wir haben selber mit unserem Sch... schon genug
Brassel am Hals." ... Wohl wahr.

Es nuetzt ja alles nichts, irgendwie muessen sich
die Politkollegen zusammenraufen, sonst geht es
einfach nicht weiter.

--

Zwei grosse Hypotheken traegt Nepal einfach mit sich:

Zum einen gibt es unter den verschiedenen Gruppen
Nepals in ihren quantitativen Anteilen grosse
Differenzen. Es gibt wenige grosse und viele kleine
Bevoelkerungsgruppen. D.h., die kleinen Gruppen haben
es schwer, sich gegen die grossen zu behaupten und
es ist schwierig von 'gerechter Demokratie' zu sprechen.

Zum anderen ist Nepal eine altbackene, verquastete
Maennergesellschaft, die es Frauen und Minderheiten
immer sehr schwer gemacht hat, eigene Ziele und
Interessen durchzusetzen. Man koennte fast sagen,
so unsaeglich die Monarchie mit ihrem Volk umgegangen
ist, so sehr gleich machen es die Maenner mit den
Frauen etc.
Dass Frauen in Vielem zurueckgestellt sind, ist so
alt wie die Menschheit und auch hier bei uns nichts
wirklich neues, aber in Laendern wie Nepal hat das
nochmal eine andere Qualitaet.

Wenn Nepal in seiner Entwicklung schneller und
vor Allem besser vorankommen will, muss sich
noch viel mehr Frauenpower entwickeln. Insbesondere
in Entwicklungslaendern denken und handeln Frauen
meist viel klueger, vernuenftiger, weitsichtiger und
oft auch weniger ruecksichtslos. In Nepal kann man,
egal wo, im Alltag haeufig beobachten, dass in erster
Linie die Frauen die Hosen anhaben und einen Grossteil
auch harter koerperlicher Arbeiten leisten. Sie sind
es, die die Doppelbelatung zwischen Familie und Arbeit
oft bravuroes meistern. Gebuehrende Anerkennung, Respekt
und Gleichbehandlung erfahren sie durch die Maenner
kaum dafuer. Das ist zwar auch hier in Deutschland und
dem Rest der Welt im Prinzip nicht so sehr anders,
dennoch ist dieses Ungleichverhaeltnis in Nepal, wie
auch in manchen anderen weniger entwickelten Laendern
noch viel krasser.

Es muessen auf jeden Fall grosse gesellschaftliche
Veraenderungen stattfinden und die Frauen muessen
in allen Bereichen ganz stark aufsteigen, um dem
Land eine wirkliche Zukunft geben zu koennen. Die
Monarchie, die Parteien, die Maenner haben alle
weitgehend versagt, die Zukunft sind ganz klar
die Frauen und Kinder. Hier muss sehr viel
geschehen. Leider fehlt es am entsprechenden
Bewusstsein dafuer - in erster Linie, weil von
Maennerseite nicht gewollt.

Aber man darf nicht aufgeben. Die Frauen duerfen
sich das alles nicht laenger bieten lassen. Sie
muessen, wo sie nur koennen, das Heft in die Hand
nehmen. Ein Kampf der Geschlechter waere keine
gute Empfehlung, aber ein stetes, kluges, subtiles
Voranschreiten der Frauen sicher nicht verkehrt.

Das ist jedenfalls meine rein menschliche
Betrachtugnsweise auf die Dinge.

Mit besten Wuenschen
Andreas






Geschrieben von Andreas Khanal am 22. Januar 2015 um 20:48 Uhr.

Antwort zu: Das ist ja ganz schoen heftig ... geschrieben von Andreas Khanal am 21. Januar 2015 um 23:27 Uhr.


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