Die nepalische Relativitaetstheorie


Liebe Nepalfreunde,

seit ueber einem Jahr wurde der Termin, eine neue
nepalische Verfassung auszurufen, auf den 22. Januar
2015 festgelegt. Und dies ist der 'so-und-so-vielte'
Versuch (man kann kaum noch mitzaehlen). Aber, wie
sollte es anders sein - es steht mal wieder alles
auf Spitz und Knopf!

Eigentlich ist die Situation so verfahren, dass es
geradezu absurd waere, das Ding auf die Beine zu stellen,
andererseits ist in Nepals Politik ja nun alles moeglich.
Auch drei Tage vorher kann man nicht sagen, wie die
Sache ausgehen wird.

Der Versuch ist noch da, auch die oppositionellen Parteien
dazu zu bewegen, der neuen Verfassung zuzustimmen. Wuerde
es dazu kommen, waere das sicher (?) das Beste oder
vielleicht besser gesagt, das scheinbar einfachste.
Aber die Gegensaetze sind nach wie vor eklatant und der
Wiederstand von einigen sehr gross. Nun steht die Drohung
der Regierungsparteien im Raum, der neuen Verfassung
notfalls per Abstimmung im Parlament zum Erfolg zu
verhelfen. Die oppositionellen Kraefte moechten das
natuerlich nicht, da die Mehrheitsverhaeltnisse gegen
sie stehen.

Doch was tun?

(Gute Frage - haette von ir sein koennen:-)

Ja wenn das alles nur so einfach waere. Nepal ist nunmal
ein Land mit sehr vielen unterschiedlichen Gruppen, die
sehr verschiedene Interessen haben. Keiner will dabei
untergehen. Die Punkte, um die gestritten wird, sind
keine Kleinigkeiten. Es ist alles andere als einfach,
alle zum gemeinsamen Konsens zu bewegen. Man kann das
laecherlich oder absurd finden (tue ich selber manch-
mal) - unterm Strich ist die Situation einfach super
kompliziert. Und das muss man akzeptieren, ob man
will oder nicht.

Ich fuer meinen Teil wuensche dem Land, dass es Mut und
Courage finden mag, einfach mal Naegel mit Koepfen zu
machen. Die Streitpunkte sind nicht neu und werden
sich auch in der Zukunft kaum aendern. Das Drama um
die neue Verfassung schleppt sich schon viel zu lange
dahin. Es ist fuer alle Beteiligten zermuerbend.
Aber entscheiden muessen die Leutchen schon selbst.

Wenn wir uns in Deutschland bei der letzten Praesidenten-
wahl mit drei Wahlgaengen abgemueht haben, eine Entscheidung
herbeizufuehren (die bekanntlich nicht von langer Dauer war),
so hat es in Nepal zuletzt fuer eine aehnliche Wahl 17 Wahl-
gaenge gebraucht. Wenn ich mich an unseren 'Bergen' des
Siebengebirges, die stolze 400 Meter ueber den Meeresspiegel
hinausragen, erfreue, so sind Berge in Nepal gerademal bis
zu 22 Mal so hoch. Die Verhaeltnisse sind in vielen Dingen
einfach ganz anders. Das macht die Sache ja einerseits so
interessant, andererseits aber auch - relativ - schwierig.

Vielleich sollten wir das Leben
nicht immer so ganz ernst nehmen.

Mit relativ
guten Wuenschen

Andreas






Geschrieben von Andras Khanal am 19. Januar 2015 um 22:56 Uhr.


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